Brot, das kein Brot mehr ist
- Angelika Hubacher
- Jun 9
- 3 min read
Updated: Jun 18
Wie moderner Weizen und industrielle Verarbeitung unser Brot verändert haben und was Du tun kannst
Brot begleitet uns seit Jahrtausenden: als Sattmacher, Kraftquelle und Grundnahrungsmittel. Doch das Brot, das viele von uns heute täglich essen, ist nicht mehr dasselbe wie das unserer Vorfahren. Industrielle Züchtung, moderne Mühlen, Schnell‑Backverfahren und Zusatzstoffe haben das, was einst ein nährstoffreiches Lebensmittel war, in ein Produkt verwandelt, das teilweise wie Zucker im Körper wirkt.
In diesem Artikel erfährst Du, welche Veränderungen stattgefunden haben und wie Du mit einfachen Entscheidungen wieder bekömmlicheres Brot in Deinen Alltag integrieren kannst.

Wie sich Weizen verändert hat
In den 1960er Jahren begann eine massive Modernisierung der Landwirtschaft: neue Weizensorten wurden gezüchtet, mit dem Ziel, Erträge zu steigern. Diese „grüne Revolution“ veränderte unter anderem:
Pflanzenhöhe (kürzere Halme), um Ernteverluste zu reduzieren
Glutenstruktur und Stärkegehalt: Eigenschaften, die das Backverhalten verbessern und den Teig luftig machen
Genetische Komplexität: moderne Zuchtformen sind komplexer als ursprüngliche Einkorn‑ und Emmer‑Sorten
Die Zusammensetzung bestimmter Gluten‑Fragmente (z. B. Gliadine) hat sich in modernen Sorten verändert. Gleichzeitig spielen auch Umweltfaktoren, Anbau, Verarbeitung und individuelle Unterschiede eine wichtige Rolle und dieses Zusammenspiel kann bei manchen Menschen stärkere Immunreaktionen auslösen.
2. Vom ganzen Korn zum Weissmehl
Traditionell wurde Korn langsam zwischen Steinmühlen gemahlen, Keim, Kleie und Mehl blieben weitgehend erhalten. Moderne Walzenmühlen trennen oft Keim und Kleie, um die Haltbarkeit zu erhöhen — übrig bleibt überwiegend Stärke (weisses Mehl).
Die Randschichten/Keimling sind reich an Ballaststoffen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und gesunden Fetten. Durch die Entfernung gehen diese verloren
Anschliessend werden manche Mehle wieder mit einzelnen Vitaminen „angereichertes“. Die synthetische Vitamine ersetzen jedoch nicht die natürliche Nährstoffmatrix des ganzen Korns.
3. Fermentation macht den Unterschied

Traditionelles Brot (Sauerteig) reift 12–24 Stunden oder länger. Während dieser Zeit bauen wilde Hefen und Milchsäurebakterien Teile des Glutens, Phytate und andere Antinährstoffe ab. Das macht das Brot bekömmlicher und erhöht die Mineralstoff‑Bioverfügbarkeit.
Industrielle Prozesse setzen stattdessen auf schnelle Hefen und kurze Gehzeiten (häufig nur 1–3 Stunden). Ergebnis: weniger Abbau von Antinährstoffen, schneller verdauliche Stärke und eine andere physiologische Wirkung im Körper.
4. Landwirtschaft und Rückstände
Moderne Ackerbautechniken nutzen synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel. In einigen Ländern werden Getreidebestände zudem kurz vor der Ernte mit bestimmten Herbiziden behandelt, um die Ernte zu erleichtern. Diese Praxis ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Getreideanbau für Brotweizen nicht üblich bzw. stark eingeschränkt.
Ob Rückstände von Pflanzenschutzmitteln das Darmmikrobiom oder die Gesundheit langfristig beeinflussen, wird derzeit intensiv erforscht. Erste Labor- und Tierstudien liefern Hinweise auf mögliche Auswirkungen, eine eindeutige Übertragbarkeit auf den Menschen ist bislang jedoch nicht belegt.
Da sich der Ursprung des verwendeten Getreides in industriell hergestellten Brotprodukten oft nicht vollständig zurückverfolgen lässt, entscheiden sich viele Verbraucher bewusst für Bio-Produkte oder regional erzeugtes Getreide aus vertrauenswürdiger Landwirtschaft. Diese Anbaumethoden können dazu beitragen, die Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen zu reduzieren.
5. Warum das moderne Brot oft „wie Zucker“ wirkt
Weissmehl enthält nur noch wenig Ballaststoffe und wird vom Körper schnell verdaut.
Dadurch steigt der Blutzucker rasch an. Der Körper schüttet vermehrt Insulin aus, worauf der Blutzucker häufig wieder schnell absinkt. Viele Menschen verspüren dadurch bereits kurze Zeit später erneut Hunger.
Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei stark verarbeitetem Weissbrot. Vollkornbrot oder Sauerteigbrot führen häufig zu einer langsameren Blutzuckerreaktion.
Drei einfache Möglichkeiten Brot für verträglicheres Brot
Wenn Du Brot geniessen möchtest, ohne dass Dein Körper rebelliert, hast Du praktische Optionen:
Handwerkliche Bäckerein bevorzugen
Achte auf Begriffe wie:
„steingemahlen“,
„Sauerteig“,
„alte Sorten (Einkorn, Emmer, Dinkel)“,
„lange Teigführung“.
Häufig findet man solche Bäcker auf Wochenmärkten, in Hofläden oder spezialisierten Handwerksbäckereien.
Selbst backen
Schon mit wenigen Zutaten lässt sich hochwertiges Brot herstellen.
Ein Sauerteigstarter, hochwertige Mehle (alte Mehlsorten) und ausreichend Zeit für die Fermentation machen oft einen grossen Unterschied, sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich der Verträglichkeit.
Auch Fertigmischungen mit Körnern und Saaten sind eine praktische Brücke und sind innerhalb von Minuten zubereitet.
Reduziere, ersetze und kombiniere
Ersetze einzelne Brotmahlzeiten durch Hafer, Hirse, Gerste, Quinoa oder eingeweichten Reis, idealerweise bereits vorverarbeitet (einweichen/fermentieren), um die Nährstoffverfügbarkeit zu erhöhen.
Kombiniere Brot mit Protein und gesundem Fett (z. B. Avocado, Ei, Nüsse, hochwertige Fette wie Omega-3, Olivenöl,Leinöl), um Blutzucker‑Spitzen abzuflachen.
Einkaufshilfe
Sind die Zutatenliste kurz und lesbar? Vorsicht bei vielen Zusatzstoffen.
Steht „Sauerteig“ auf dem Etikett? Gute Signalkarte.
„Steingemahlen“ oder „ganze Körner“ → Pluspunkte.
Bio‑Kennzeichnungen können Rückstände reduzieren, sind aber kein Freifahrtschein.
Wenn möglich: direkt beim Bäcker nach Backzeit & Teigführung fragen.
Fazit
Brot muss nicht grundsätzlich gemieden werden. Entscheidend ist vielmehr die Qualität des Getreides, die Verarbeitung und die Art der Herstellung.
Traditionell hergestelltes Sauerteigbrot aus möglichst wenig verarbeitetem (tradionellem) Vollkorn kann für viele Menschen eine deutlich bekömmlichere Alternative zu industriell hergestelltem Weissbrot sein.
Im HAPPY GUT Programm beschäftigen wir uns genau mit diesen Zusammenhängen. Gemeinsam schauen wir, welche Ernährungsweise Deinen Darm unterstützt, welche Lebensmittel Dir guttun und wie Du mit kleinen, alltagstauglichen Veränderungen mehr Energie, ein besseres Bauchgefühl und langfristig mehr Gesundheit erreichen kannst.




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